… und plötzlich wieder Angst im Dunkeln

… und plötzlich wieder Angst im Dunkeln

04.03.2011

Jemand Fremdes war hier, an meinen Sachen, hatte Zugang zu meinen persönlichen Gegenständen. Ein Gedanke, der unbehaglich und bedrückend ist. Zumal er nie alleine kommt: Die unterbewusste Frage, ob und wann der Täter wiederkehren wird, ist sein ständiger Begleiter. Auf einmal fehlt etwas, das zuvor nie aktiv wahrgenommen wurde: das Gefühl „Hier bin ich sicher.“ Und das gilt nicht nur für die eigenen vier Wände: Nach einem Einbruch am Arbeitsplatz lastet der materielle Verlust zwar auf den Schultern des Unternehmens – das verloren gegangene Sicherheitsgefühl trifft jedoch alle Angestellten.

So wie Claudia Hasenberg: Bei ihrem Arbeitgeber wurde innerhalb kurzer Zeit zwei Mal hintereinander eingebrochen, der Tresor aufgeschweißt, Bargeld gestohlen. „Ich bin morgens oft die Erste, schließe die Türen auf und sehe nach dem Rechten. Damit hatte ich nie ein Problem, ich habe mir nicht einmal Gedanken darüber gemacht – aber nach den Einbrüchen war das plötzlich anders.“ Ein beklemmendes Gefühl sei bei ihr aufgekommen, und der andauernde Gedanke: „Was, wenn heute Nacht wieder jemand eingedrungen ist? Wenn er noch im Haus ist?“ Claudia Hasenberg ist kaufmännische Angestellte bei der Paritätischen Geldberatung, die die Finanzierung sozialer Arbeit und die Realisierung sozialer Projekte unterstützt. Die gestohlenen Geldsummen setzten sich daher größtenteils aus Spenden und Mitteln für sozial Schwache in der Region zusammen. Die Geldberatung ist Mieter im Hause des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – ein sehr einsam gelegenes Gebäude, die Rückseite ist vollständig von offener Grünfläche umgeben. „Wenn ich morgens komme, ist es zu dieser Jahreszeit noch dunkel, und einige Teile des Gebäudes sind nur schwer einsehbar.“ Nach den Einbrüchen hoffte sie daher stets, dass vielleicht schon ein Kollege vor ihr am Platz sei und ihr das beruhigende Gefühl vermitteln würde, dass alles „in Ordnung“ sei – in der Regel vergebens.

Ihr Arbeitgeber entschied sich nun für ein Sicherheitssystem, das die Flure des Gebäudes rund um die Uhr durch Kameras überwacht. Ist die Anlage scharf geschaltet und wird ein Alarm ausgelöst, erhält eine Notruf- und Serviceleitstelle umgehend Einblick in die Räumlichkeiten. So wird direkt festgestellt, ob sich jemand außerhalb der Arbeitszeiten unbefugt dort aufhält. Das Prinzip ist einfach: Infrarotsender reagieren auf Bewegungen im gesicherten Bereich. Ein Mitarbeiter der Leitstelle nimmt sekundenschnell Kontakt zum Gebäude des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes auf und spricht die dort anwesenden Personen über Lautsprecher direkt an. Können diese ihren Aufenthalt nicht mit dem zuvor festgelegten Codewort legitimieren, wird sofort die Polizei verständigt. Durch die eindringliche Ansprache hat der Eindringling bei deren Eintreffen in der Regel schon panikartig die Flucht ergriffen.

Der morgendliche Start in den Arbeitstag ist für Claudia Hasenberg nun wieder so unbeschwert wie früher – auch dann, wenn sie wie so oft die Erste am Schreibtisch ist. Die Frage, ob alles in bester Ordnung sei, beantworten ihr die Lichtsignale des Sicherheits-Systems: „Es ist ein einfaches Ampel-Prinzip: Leuchten die grünen Lämpchen, ist alles in Ordnung – und ich kann mich beruhigt an die Arbeit machen.“ Dass die Gebäude des Paritätischen Wohlfahrtsverbands durch Fernüberwachung gesichert werden, kennzeichnen Schilder im Außenbereich. Seither hat kein einziger Einbruchsversuch mehr stattgefunden.


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